Die Jahreslosung für das Jahr 2026 trägt uns hindurch:
„Gott spricht: Siehe ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5)

Jahreslosung 2026
Foto: Westfenster im Dom zu Lübeck gestaltet von Lothar Quinte
© PaToWi 2025
Leben MIT: Gott – Familie – Kirche
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Ich danke allen, die dabei waren, für ihr Geleit. Es war so gut, mit diesem Moment nicht alleine gewesen zu sein!
„Du bist ein Gott, der mich sieht!“ – Diese Worte (1. Mose 16,13) mögen auch Euch tragen: in der Gewissheit, dass Gott in dieser wie in aller Trauer und allem Abschiednehmen gegenwärtig ist und uns nicht alleine lässt. Dazu ist er Mensch geworden. Und er führt uns über alle Trauer hinaus und wird sie in uns verwandeln, denn er verheißt: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Jahreslosung 2026 aus Offenbarung 21,5)
(Der Bericht auf der Kirchenkreisseite ist jetzt auch online: Ein Schlusspunkt zum Jahresende)

(Die Predigt gibt es weiter unten.)
Glockengeläut und Musik zum Eingang
Votum und Begrüßung
„Weil Gott in tiefster Nacht erschienen“ (EG 56)
Prediger 3 als Psalm
Kyrie (mit EG 178.9)
Du, Jesus, bist damals als Kind in der Krippe in eine kaputte Welt gekommen. Zu dir rufen wir: G Kyrie eleison …
Du, Christus, kommst auch in unserer Zeit in eine oft so heillose Welt. Zu dir rufen wir: G Kyrie eleison …
Du, Jesus Christus, kommst heute zu uns und siehst und findest unsere zerbrochenen Herzen, mit denen wir von dieser Kirche Abschied nehmen. Zu dir rufen wir: G Kyrie eleison …
Gnadenzusage Jesaja 60,1-2
Gloria „Gott in der Höh“ (EG 180.2)
Tagesgebet
Chor: „Herr, deine Güte“
Schriftlesung:
„Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht“ (EG 591)
1. Mose 16 i.A.
G Halleluja. Halleluja. Halleluja. Halleluja.
„Du bist ein Gott, der mich anschaut“ (#lst 81)
Predigt
„Von guten Mächten“ (EG 65,1-2)
Glaubensbekenntnis
„Und reichst du uns den Kelch“ (EG 65,3-7)
mit Einsammeln der Kollekte
Bedeutung der Entwidmung (Superintendentin Goudefroy)
Fürbitten (nach einer Vorlage aus dem Kirchenkreis)
Gott, du schenkst Raum zum Leben, in dir und bei dir haben wir immer Platz. Dafür danken wir dir. Wir danken dir für die vielen Menschen, die mit dieser Kirche verbunden waren – und die für diesen Raum da waren.
So bitten wir dich für alle, die mit der Möllberger Kirche verbunden sind, und für alle, denen das Herz beim Abschied so wehtut.
L1 (mit der TAUFKANNE für die Getauften)
Gott, Kraft des Lebens, wir danken dir für die vielen Menschen, die wir in dieser Kirche taufen durften. Du hast sie in ihrem Leben begleitet, und hast die Verbindung mit ihnen gehalten, die durch die Taufe sichtbar geworden ist.
Wir bitten dich für alle Menschen, die hier getauft wurden. Erhalte ihren Glauben – begleite sie auf ihrem Lebensweg.
L2 (mit der BIBEL für die Konfirmierten und die Getrauten)
Gott, in den Worten der Bibel haben wir in dieser Kirche gehört, wie du uns begleitest, stärkst und tröstest. Jugendliche haben gelernt, was es bedeutet, als Christin und Christ nach deinem Wort zu leben. Sie sind hier konfirmiert worden und haben sich auf ihren Lebensweg gemacht. Paare haben sich hier unter deinem Wort einander anvertraut, sie haben deinen Segen für ihr gemeinsames Leben bekommen.
Wir bitten dich: Achte weiter auf die Konfirmierten, damit ihr Glaube sie weiter leitet und stärkt, dass dein Geist der Liebe die Paare in Freude und Leid verbunden hält.
L3 (mit dem violetten PARAMENT für das, was nicht gut war)
Gott, heilige Geistkraft, wir denken an die Gottesdienste mit Schmuck und bunten Farben, in denen diese Kirche von Liebe und Heiterkeit erfüllt war. Wir denken aber auch an Momente, in denen wir deiner Liebe nicht gerecht geworden sind. Du Kraft der Versöhnung, richte gerade, was in diesen Jahren misslungen und bei uns krumm und schief geworden ist.
L4 (mit der OSTERKERZE für die Verstorbenen)
Jesus Christus, die Osterkerze zeigt uns immer wieder: Du bist das Licht des Lebens. Du hast dem Tod und der Verzweiflung eine Grenze gesetzt. Wir danken Dir, dass wir mit diesem Trost leben dürfen.
Wir denken an die Menschen, die wir in diesen Jahren beerdigt haben. Wir bitten dich für alle Verstorbenen und für alle Angehörigen, dass Du auch jetzt für sie da bist und sie nicht im Dunkeln bleiben. Schenk uns allen deine Lebenskraft.
L5 (mit dem KAFFEEGESCHIRR für die Geselligkeit)
Jesus Christus, du gehst unsere Wege mit: Und wenn nach dem Gottesdienst die Kaffeetassen geklappert haben, war das für viele der erste Schritt wieder hinaus in den Alltag der Welt, den wir als Gemeinschaft der Feiernden gemeinsam getan haben.
Wir bitten dich, dass diese zwanglose Geselligkeit und die Freiheit, einander ganz ungezwungen zu begegnen, erhalten bleibt.
L (mit einem Teil des ABENDMAHLSGESCHIRRs für die Gemeinschaft)
Jesus Christus, wir danken dir, dass Du uns zu dir und an deinen Tisch eingeladen hast. Wir denken an die Abendmahlsfeiern hier in der Kirche: An Momente voller Traurigkeit und voller Glück.
Wir bitten dich – schenke und erhalte Gemeinschaft und Zusammenhalt in unserer ganzen Gemeinde. Führe uns immer wieder neu zusammen und verbindet uns untereinander und mit dir.
Dir, Jesus Christus – in der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Geist – sei alle Ehre: jetzt und in Ewigkeit. G Amen.
Alles das legen wir auf den Altar, um in der Gemeinschaft, die Jesus Christus stiftet, Abendmahl zu feiern.
„Ich bin das Brot“ (EG.E 11)
Abendmahlsliturgie
Ankündigung und Auszug mit „Meine Hoffnung und meine Freude“ (#lst 41)
Schlussgebet
„Komm, Herr, segne uns“ (EG 170)
Segen
Musikalisches Nachspiel

Predigt:
Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.
Liebe Geschwister in Christus!
Wie hält man eine Predigt zur Entwidmung einer Kirche? Wie predige ich zur Entwidmung „meiner“ Kirche? Am liebsten gar nicht. So ähnlich stand es auch im Gemeindebrief. Aber wir sind hier nicht bei „Wünsch dir was“, sondern am Endpunkt einer Entwicklung, die sich seit längerer Zeit schon abgezeichnet hat. Im Lauf der letzten Jahre ist deutlich geworden, dass wir schon lange viel zu viele Quadratmeter für viel zu wenig Menschen haben: in den letzten 50 Jahren haben sich die Gemeindegliederzahlen mehr als halbiert. Es ist deutlich geworden, dass dadurch auch nicht mehr genügend Geld da ist, um die vielen Gebäude zu finanzieren. Alle Versuche, den Kirchraum zu erhalten, für das Ensemble aus Kirche und Gemeindehaus oder wenigstens für die Kirche neue Nutzer zu finden, sind vergeblich gewesen.
Und so sind wir heute hier, um Abschied zu nehmen von diesem Kirchraum und auch vom Gemeindehaus, denn nach diesem Gottesdienst wird hier nichts mehr stattfinden. Wir nehmen Abschied mit aller Traurigkeit und Hilflosigkeit, mit aller Enttäuschung, wenn uns bewusst wird, wie endgültig dieser Schritt ist; wir nehmen aber auch Abschied mit den Erinnerungen an so viele gute, berührende Momente.
Was ist das Wichtigste in einem solchen Moment? Was gibt Kraft, um nicht nur diesen Moment durchzustehen, sondern auch nach diesem Moment der Entwidmung weiterzugehen und das zu tun, was unser Auftrag als Christinnen und Christen ist? Ich finde dieses Wichtigste für diesen Moment und für darüber hinaus in dieser Geschichte von Hagar an der Quelle in der Wüste, die wir eben als Schriftlesung gehört haben: Da ist diese Frau, die bestimmt nicht alles richtig gemacht hat, die aber auch unter vielem gelitten hat, was ihr widerfahren ist; die nicht mehr weiter weiß und versucht hat, vor allem davonzulaufen. Wer könnte das nicht verstehen? Ist es nicht die Möglichkeit, der ganzen Misere zu entrinnen?
So findet sich Hagar wieder an einer Quelle in der Wüste – mitten im Nirgendwo und weiß trotzdem nicht weiter. Weglaufen löst eben doch keine Probleme. Aber ihre Situation in der Wüste spiegelt das, was wahrscheinlich viele von uns heute empfinden: innere und äußere Leere; was einem lieb geworden war, geht verloren und das Neue, das einem eine neue Perspektive geben kann, ist noch nicht wirklich in Sicht. Natürlich nicht, weil das Alte ja noch so präsent ist.
Was ist das Wichtigste in einem solchen Moment? Ich finde dieses Wichtigste für diesen Moment und für darüber hinaus in dieser Geschichte von Hagar und ihrem Bekenntnis: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ In diesen Momenten der Verlassenheit, die Hagar in der Wüste erlebt, hört sie für sich eine Verheißung für sich und ihr Kind, das sie trägt, und aus dieser Verheißung wächst in ihr eine Gewissheit: „Gott hat mich angesehen.“ Und das bedeutet: „Ich habe Ansehen bei Gott. – Auch jetzt, wenn ich verzweifelt bin und nicht weiter weiß! Ich habe Ansehen bei Gott, ich bin ihm wichtig.“
„Du bist ein Gott, der mich sieht.“ – Diese Worte haben uns im Jahr 2023 als Jahreslosung begleitet. Und wie bei Hagar ist auch für mich und für so viele andere damit nicht eine Angst verbunden, dass Gott mit Argusaugen hinter den Menschen her ist und nur auf Fehler wartet, um die dann zu sanktionieren. „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Das heißt immer: Gott sieht den Menschen an mit seinem so liebevollen Blick, der auch in den dunklen Stunden Licht und Wärme ausstrahlt.
„Du bist ein Gott, der mich sieht.“ – Dieses „Mich“ von Hagar möchte ich heute als einen kollektiven Singular verstehen, der die Kirchengemeinde als Ganze ebenso umfasst wie alle, die in dieser Kirche und im Gemeindehaus ein- und ausgegangen sind. Und so hat Gott auch auf die Vorgeschichte dessen gesehen, was 1962 in den Umbau des Bauernhauses und des Fabrikgebäudes in eine Kirche mündete: auf der einen Seite die so abenteuerliche Geschichte mit den vielen Ungerechtigkeiten, die dem alten Ehepaar Meier widerfahren sind; auf der anderen Seite die Anfänge des 2. Gemeindebezirkes der damaligen Gemeinde, der aus einer Frauenhilfegruppe unter der engagierten Leitung von Anna Steffen entstanden ist. In Gerhard Arning als dem dann zuständigem Pastor fand Anna Steffen einen kongenialen Mitstreiter, um die Idee einer Kirche in und für Möllbergen zu verwirklichen. Was konnte wohl Besseres aus diesem Anwesen, das mit so viel Unglück bedacht war, werden, als eine Kirche, in der das Wort von der Versöhnung und die Botschaft von Trost und Erquickung für die Mühseligen den Grundton angeben würde?!
„Du bist ein Gott, der mich sieht.“ Gott hat seit dem 26. August 1962, als die Kirche in einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht wurde, auf sie gesehen: auf diesen hellen und so hohen Raum mit dem großen Holzkreuz. In etwas mehr als 63 Jahren hat Gott so vieles gesehen: hoffnungsvolle Zeiten mit CVJM und Jugendtreff, Taufen und Konfirmationen, Trauungen und Ehejubiläen – immer Menschen, Menschen jeden Alters, die etwas von Gottes Liebe, von seinem wärmenden Blick mitnehmen konnten.
Äußere Veränderungen haben dann immer auch deutlich gemacht, dass Gott eine lebendige Gemeinde sehen konnte: Der Anbau am Gemeindehaus entstand, als Pastor Eberhard Peithmann auf Pastor Arning folgte. Wie sein Vorgänger prägte er das Leben der Gemeinde und mit dem Umbau 1989 bekam die Kirche ein ganz neues Gesicht: warme Farben mit den Terrakottafliesen, das ganz fein gestaltete goldene Kreuz im Altarraum, das Taufbecken, mit der Krone des Lebens und die Fenster von Heinz Lilienthal – besonders der Dornbusch und die Taufe. Gott sah auch, wie gefährdet das alles war, als die Kirche kurz nach der Renovierung brannte. Mit dem hellen Gewand des Pastors wurde seit 1994 das Bild von Pfarrer und Kirche noch einmal verändert.
Seit 1999 durfte ich hier meinen Dienst tun und dem Psalm „Singet dem Herrn ein neues Lied“ wohl ziemlich oft wörtliche Geltung verschaffen: die „neuen“ Lieder im Gesangbuch, Kirchentagslieder und holländische Lieder vom Kirchenliedseminar und immer wieder einmal ein Lobpreislied – Taizé-Gottesdienste und die Uchte.
Aber ohne das Engagement von so vielen, vielen Menschen wäre das alles nicht möglich gewesen: Posaunenchor und Kirchenchor, Gruppenverantwortliche und Küsterinnen, Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker und ganz viele, die einfach nur so da waren und immer wieder auch geholfen haben, haben dieses Haus zu einem lebendigen Ort von Gottesdienst, Kirchenkaffee und Gemeindeleben gemacht. Alles zusammengehalten besonders auch von Generationen von Presbyterinnen und Presbytern. Das alles endet heute hier.
„Du bist ein Gott, der mich sieht.“ – Was ist das Wichtigste in einem solchen Moment? Was gibt Kraft, um nicht nur diesen Moment durchzustehen, sondern auch nach diesem Moment der Entwidmung weiterzugehen und das zu tun, was unser Auftrag als Christinnen und Christen ist? Hagar soll nicht weiter in die Einsamkeit fliehen; es bringt nichts, vor dem Unvermeidlichen wegzulaufen. Sie wird von Gott auch nicht in ein wie auch immer geartetes Paradies geführt. Hagar wird von Gott sogar zugemutet, in die alten Abhängigkeiten zurückzukehren und sich ihrer Herrin Sarai wieder zu unterwerfen. Was sie aber von der Quelle in der Wüste mit nimmt, ist die Gewissheit, dass ihr und ihrem Kind eine Zukunft verheißen ist.
Auch uns ist das mit dem heutigen Tag auferlegt: Auch für uns gibt es kein „Immerweiterweglaufen“, als ob wir dem heutigen Tag und damit den heutigen Tatsachen entkommen könnten. Auch wir kehren in unsere kirchliche Realität zurück. Aber auch wir haben eine Verheißung empfangen, die uns in die Zukunft tragen soll.
Und auch uns mutet Gott zu, nicht davon zu laufen, sondern uns unter seiner Verheißung auf den Weg in die Zukunft zu machen. Und es ist nicht nur die Weihnachtsbotschaft, die uns die Verheißung von damals vergegenwärtigt, wie wir es zu Beginn gesungen haben: „Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht traurig sein! Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsre Nacht nicht endlos sein!“ Es ist für mich kein „dummer Zufall“, es ist keine Ironie des Schicksals, dass das Wort, das uns ab dem 1. Januar 2026 als Jahreslosung begleiten wird, wie eine Antwort Gottes auf Hagars Bekenntnis erscheint, das wir uns heute zu eigen gemacht haben. Es ist Gott, der in der Offenbarung des Johannes Worte spricht, die unbedingt Zukunft eröffnen: „Siehe, ich mache alles neu!“
Es wäre zu einfach, wollten wir diese Worte mit einem „Kopf hoch, das Leben geht weiter!“ oder einem „Schwamm drüber, alles halb so wild!“ gleichsetzen. Gott sagt uns mit dieser neuen Jahreslosung zu: „Deine Trauer in diesem zu Ende gehenden Jahr mit diesem so schmerzhaften Abschied von diesem Kirchengebäude, das dir Heimat geworden ist und dir Geborgenheit geschenkt hat, das in seiner Gestalt die Weite und Größe meiner Güte spiegelt, das meinen Geist geatmet hat und von wo aus Menschen unter meinem Segen immer wieder zurück in die Welt hinaus gegangen sind, um ihren Alltag immer wieder neu zu bestehen – diese Trauer ist bei mir gut aufgehoben und ich werde sie in dir verwandeln und dich neu die Wege des Lebens gehen lassen!“
Ihr Lieben! Die Erinnerungen an die Möllberger Kirche werden auch in Zukunft immer noch schmerzen, aber der Segen, der hier gesprochen wurde, die Taufen und Konfirmationen, die hier gefeiert wurden, werden nicht ungeschehen. Weihnachten und Ostern bleiben gültig – unabhängig von sich wandelnden Strukturen der Kirche und unabhängig von den Gebäuden einer Gemeinde. Und der liebende Blick Gottes auf seine Kirche, seine Gemeinde und alle ihre Glieder wärmt unsere Seele. Wir gehen unter Gottes Segen weiter durch die Zeit, um seine Verheißung und die Botschaft seines Evangeliums weiter zu tragen. Das ist das Wichtigste, darauf kommt es an! Amen.

Die Kerzen sind aus! Das sagt ALLES!

Am 3. Advent vor 25 Jahren wurde ich in die 2. Pfarrstelle der damaligen Kirchengemeinde Holzhausen an der Porta eingeführt: „meine Möllberger Pfarrstelle“. Und was ist seitdem alles gewesen!
Heute haben mich viele daran erinnert und mir zu diesem Jubiläum gratuliert. Herzlichen Dank!
Was aber wäre ich ohne Euch: ohne die Kolleg*innen und vor allem ohne die vielen, vielen Ehrenamtlichen, die mich seit so vielen Jahren unterstützend begleiten, und ohne meine Familie! Habt vielen, vielen Dank! Ich weiß mich von Euch mit getragen.
Auf dem Bild ein Teil des Bezirksausschusses HuHaP: Ihr alle seid großartig!
Bei INSTA ist das Taizé-Lied „Voici Dieu, qui vient à mon secours“ hinterlegt (siehe unten). Es ist inzwischen so etwas wie mein Motto geworden. Ich liebe es sehr:
„Voici Dieu, qui vient à mon secours, le seigneur avec ceux qui me soutiennent. Je te chante, toi qui me relèves. Je te chante, toi qui me relèves. – Gott ist mein Helfer, der Herr beschützt mich. Ich will dir singen, denn du hast mich wieder aufgerichtet.“ (Psalm 54,6 und Psalm 30,2)
Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.
Liebe Geschwister in Christus!
Eine Abendgesellschaft; bevor es zum Essen geht, steht man zusammen und unterhält sich mit einem Glas Sekt in der Hand. Und es trifft sich, dass man neue Menschen kennenlernt. Es wird erzählt: Woher man kommt und was man so macht. Das ist die Situation, die in einer Karikatur von Thomas Plaßmann dargestellt wird. Der Protagonist steht da, als ob er in eine saure Zitrone gebissen hätte. Denn die Frage, die ihm gestellt wird, lässt ihn erschaudern: „Christ?! Ach, interessant? Und was macht man da so?“ Ein Wort hatte das andere ergeben und in der angeregten Unterhaltung hatte er sich wohl zu seinem Christsein bekannt. Und dann diese Frage: „Christ?! Ach, interessant? Und was macht man da so?“

Fast hört es sich in dieser Situation an, als ob nach dem Beruf oder Hobby gefragt wird. Darin sind wir alle geübt: Über unseren Beruf zu erzählen, wie wichtig der ist und was ihn ausmacht. Ganz ähnlich ist es bei unseren Hobbys: Was jemand bei der freiwilligen Feuerwehr macht, lässt sich ebenso gut beschreiben, wie die Trainingseinheiten beim Handball und Fußball; was eine Briefmarkensammlerin tut und was eine Reiterin – alles lässt sich wunderbar erklären; wie bei so vielen anderen Hobbys auch. Und je spezieller ein Hobby ist, desto faszinierender mag es sein, sich von einer Fachfrau oder einem Fachmann das jeweilige Wissensfeld erklären zu lassen.
„Christ?! Ach, interessant? Und was macht man da so?“ – Ja, was mache ich als Christ denn so? Erster Impuls: »Von wegen Hobby! Natürlich ist Christsein kein Hobby, das man in der Freizeit betreibt und wenn man mal keine Zeit hat, geht man halt nicht hin – wie beim Training oder der wöchentlichen Vereinsversammlung.« Zweiter Impuls: Richtigkeiten verbreiten, die jeder kennt! »Christsein ist etwas, das das ganze Leben umfasst, keine nur oberflächliche Einstellung. Ich glaube: an Gott, an Jesus Christus, wie ihn uns die Heilige Schrift verkündigt, an den Heiligen Geist. Ich gehe zur Kirche, zahle meine Kirchensteuer. Ich bete: nicht nur im Gottesdienst, sondern auch zwischendurch – vielleicht sogar ganz regelmäßig morgens und abends.«
Um dann nach diesen ersten Impulsen zu entdecken: Die Frage danach, was man als Christ so macht, ist damit nicht wirklich beantwortet. Ja, um es neutral zu sagen: Christsein ist natürlich zuallererst eine Haltung. Aber was sind dann konkrete christliche Handlungen? Was ist christlicher Glaube außer dem „Du zu du mit Gott“?
Perspektivwechsel: „Christ?! Ach, interessant? Und was machst du da so?“ Diesmal ist es Gott, der mich nach meinem Christsein fragt. Wie stehe ich dann da? Was will, was kann ich sagen? Bin ich vielleicht so mutig, wie der junge Mann, von dem wir in der Schriftlesung gehört haben: der von sich aus tiefster Überzeugung sagen kann, dass er alle Gebote gehalten hat – sogar von Jugend auf? Und der doch nicht in den Himmel kommt? Ich traue mich bestimmt nicht, mich so vollmundig ins beste Licht zu rücken. Gott weiß um meine Schwierigkeiten im Halten der Gebote, um meine Lücken und dunklen Flecke in meinem Leben. Da brauche ich ihm nichts vorzumachen. Und trotzdem bleibt die Frage offen: „Du bist Christ? Und was machst du da so?“ Wie stehe ich da vor Gott? Bin ich ihm recht?
Wie oft haben sich Christinnen und Christen im Lauf der letzten 2000 Jahre diese Frage gestellt: „Wie stehe ich da vor Gott? Bin ich ihm recht?“ Und: „Bin ich für ihn gut genug, dass er mich auch annimmt?“ Ja! So haben Paulus und Martin Luther und viele andere das immer wieder betont: „Ja, du bist Gott recht, er nimmt dich an, so wie du bist: mit deinem Glauben-Wollen und deinem immer wieder Nicht-Glauben-Können. Das ist es, was dir in der Taufe zugesagt ist: Ja, du bist Gott recht!“
Und trotzdem bleibt die Herausforderung, zu sagen, was Christsein in das alltägliche Handeln übersetzt bedeutet. Welchen Zusammenhang es gibt zwischen dem Glauben, also dem Vertrauensverhältnis zwischen mir und Gott auf der einen Seite und meinem Handeln im Alltag der Welt auf der anderen Seite? Aus der ganz frühen Zeit des Christentums gibt es dazu einen Abschnitt zu lesen, der uns heute als Predigttext aufgegeben ist. Im Brief, der dem Apostel Jakobus zugeschrieben wird, heißt es im 2. Kapitel in der „Neuen Genfer Übersetzung“:
14 Was nützt es, meine Geschwister, wenn jemand behauptet: »Ich glaube«, aber er hat keine entsprechenden Taten vorzuweisen? Kann der Glaube als solcher ihn retten? 15 Angenommen, ein Bruder oder eine Schwester haben nicht genügend anzuziehen, und es fehlt ihnen an dem, was sie täglich zum Essen brauchen. 16 Wenn nun jemand von euch zu ihnen sagt: »Ich wünsche euch alles Gute! Hoffentlich bekommt ihr warme Kleider und könnt euch satt essen!«, aber ihr gebt ihnen nicht, was sie zum Leben brauchen – was nützt ihnen das?
17 Genauso ist es mit dem Glauben: Wenn er keine Taten vorzuweisen hat, ist er tot; er ist tot, weil er ohne Auswirkungen bleibt.
18 Vielleicht hält mir jemand entgegen: »Der eine hat eben den Glauben und der andere die Taten.« Wirklich? Wie willst du mir denn deinen Glauben beweisen, wenn die entsprechenden Taten fehlen? Ich dagegen kann dir meinen Glauben anhand von dem beweisen, was ich tue. 19 Du glaubst, dass es nur einen Gott gibt? Schön und gut! Aber auch die Dämonen glauben das – und zittern!
20 Willst du denn nicht begreifen, du unverständiger Mensch, dass der Glaube ohne Taten nutzlos ist? 21 Wurde nicht unser Vater Abraham aufgrund seines Tuns für gerecht erklärt? Er wurde für gerecht erklärt, weil er seinen Sohn Isaak auf den Altar legte, um ihn Gott als Opfer darzubringen. 22 Daran siehst du, dass sein Glaube mit seinen Taten zusammenwirkte; erst durch seine Taten wurde sein Glaube vollkommen. 23 Und erst damit zeigte sich die volle Bedeutung dessen, was die Schrift sagt: »Abraham glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet«; ja, er wurde sogar »Freund Gottes« genannt.
24 Ihr seht also, dass der Glaube allein nicht genügt; ein Mensch wird nur dann von Gott für gerecht erklärt, wenn sein Glaube auch Taten hervorbringt. 25 War es bei der Prostituierten Rahab nicht ebenso? Auch sie wurde aufgrund ihrer Taten für gerecht erklärt, denn sie nahm die israelitischen Boten gastfreundlich bei sich auf und half ihnen, auf einem geheimen Weg aus der Stadt zu fliehen. 26 Genauso nämlich, wie der Körper ohne den Geist ein toter Körper ist, ist auch der Glaube ohne Taten ein toter Glaube.
Ihr Lieben!
So weit der Abschnitt aus dem Jakobusbrief, dessen Schreiber so oft und so oft mutwillig missverstanden worden ist: Als ob die Taten, das Handeln im Alltag der Welt für Christinnen und Christen die Voraussetzung für den Glauben und damit für die Annahme bei Gott wären. Aber das ist nicht so! Glauben und christliches Handeln sind die berühmte zwei Seiten der einen Medaille. Es geht das eine nicht ohne das andere. Oder mit den Worten des Jakobus: Wo die Hinwendung zu den Menschen fehlt, ist der Glaube tot.
Das hatte schon Jesus so formuliert, als er auf die Frage nach dem höchsten Gebot, dem der Sonntag heute gewidmet ist, geantwortet hat: »Das höchste Gebot ist das: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft“. Das andre ist dies: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“. Es ist kein anderes Gebot größer als diese.« – Und der Apostel Paulus hat in seinem Brief an die Gemeinde in Ephesus über diejenigen, die von sich sagen, sie verkünden das Wort Gottes, gesagt: „An ihren Früchten werde ihr sie erkennen.“ Das ist unsere Aufgabe, denn wir alle sind durch unsere Taufe dazu berufen, das Evangelium zu verkünden – in Worten und Taten!
Messen lassen müssen sich unsere Taten dann immer an dem, was im Sinn Jesu das Gute ist: an der Liebe zu Gott und zu den Menschen, die Gott uns zu unseren Nächsten macht. Unsere Taten sind aber nie die Voraussetzung dafür, dass Gott uns seine Liebe schenkt, sondern die Folge dieser Liebe. „Christ?! Ach, interessant? Und was macht man da so?“ – Lasst es uns herausfinden, lasst es uns leben und lasst unsere Taten dabei die Folge der Liebe sein, die Gott uns schenkt! Amen.
Der Predigttext 1. Petrus 5,5b-11 wurde zuvor als Schriftlesung gelesen.
Gnade sei mit euch und Friede von Gott dem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Der Heilige Geist segne unser Reden und Hören. Amen.
Liebe Geschwister in Christus!
Es ist eines der eindrücklichsten Bilder, die in der Bibel vorkommen: der brüllende Löwe. Wer einmal einen Löwen live und in Farbe gesehen und seine Stimme gehört hat, wird das bestätigen können. Und wer die Nachrichten in der vergangenen Woche verfolgt hat, konnte da einen ganz besonderen Löwen brüllen hören: mit blonder Mähne in einer riesigen Halle und er brüllte fast vier Mal so lange, wie es ihm zugestanden hätte; Löwen kümmern die Regeln für andere Tiere anscheinend nicht. Doch davon später!
Vorher würde ich gerne wissen, bei wem sich bei dem Wort Demut ein gewisses Unbehagen eingeschlichen hat. Dieses Wort hat in unserer Zeit einen schlechten Ruf. Denn es steht in der Gegenwart ganz oft für eine schlaffe Haltung ohne Rückgrat, ohne eigenen Willen und vor allem ohne alle Macht. Und so wollen wir uns natürlich nicht sehen: nicht 3 cm mit Hut.
Ich hoffe, Ihr habt trotzdem nicht aufgehört, auf den weiteren Text zu hören. Denn der ist es wirklich wert! Und Demut im Sinn von Kadavergehorsam und sklavische Ergebenheit wird diesem Wort einfach nicht gerecht; es ist schlicht falsch, auch wenn leider auch in der Kirche diese Stelle und andere Stellen dazu missbraucht wurden, Menschen klein und unselbstständig zu halten. Aber: Warum sollte sonst in Demut das Wort „Mut“ stecken.
Ich frage also noch einmal nach der „Demut“, besser nach ihrem Gegenteil: Was ist das Gegenteil von Demut? – Richtig, auch im Text wird ein Gegenteil genannt: Hochmut. Und Hochmut im Blick auf unser Verhältnis zu Gott bedeutet: „Ich meine, in meinem Leben alles aus eigener Kraft schaffen zu können.“ Vom Erwachsenwerden bis zur eigenen Kindererziehung, von der Schule bis zur führenden Stellung im Beruf, vom Gesundbleiben bis zum richtigen Älterwerden; und so weiter. Wer allerdings so durch das Leben geht, wird feststellen, dass der Hochmut, alles aus eigener Kraft und Macht schaffen zu können meistens vor dem tiefen Fall kommt. „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“, schreibt der Apostel.
Es gibt aber noch ein weiteres Gegenteil von „Demut“ – wenn ihr so wollt, genau in die andere Richtung. Und da sind wir bei der falsch verstandenen Bedeutung von Demut. Demütig sein ist das genaue Gegenteil von „unterwürfig sein“.
Ich meine nicht, dass Menschen stolz zu sein hätten, damit wären wir schon wieder beim Hochmut. Ich meine aber, dass wir uns durchaus ein gewisses Selbstbewusstsein zu eigen machen dürfen. Der Schreiber des ersten Johannesbriefes schreibt uns, dass wir uns nicht nur Gottes Kinder nennen dürfen, sondern es tatsächlich auch sind! Wie wunderbar ist das denn! Gottes Kinder, nicht seine Sklaven, die er nach Belieben herumscheuchen kann; Gottes Kinder, ja sogar seine Erben, wie es Paulus schreibt. Das ist der Stand, in den wir durch unsere Taufe erhoben werden!
Ja, der Apostel fordert uns auf, uns unter Gottes Hand zu demütigen. Wir sollen es tun, wie Kinder sich ihren Eltern anvertrauen, weil sie wissen: Meine Eltern sorgen für mich; bei ihnen bin ich in Sicherheit, ohne dass ich aufhöre, ein eigener Menschen mit meiner eigenen Würde zu sein! Und wie meine Eltern mich „groß machen“ – wie es hier in Ostwestfalen so schön heißt –, damit ich irgendwann selbstständig mein Leben gestalten kann, so wird auch Gott mich groß machen und erhöhen.
Es wird in meinem Leben auch immer wieder andere geben, die von mir verlangen, dass ich mich ihnen unterstelle, die über mich Macht ausüben wollen und mich für ihre Zwecke benutzen wollen. Es geht da nicht einfach um eine Rangordnung im Gefüge eines Dienstverhältnisses. Im alltäglichen Leben muss geleitet werden und es müssen die Richtlinien der Leitung befolgt werden. Aber so etwas darf nie zu einem absoluten Abhängigkeitsverhältnis führen. Die Frage ist wie so oft: Wem gebe ich Macht und Herrschaft über mich – Gott oder denen, die mich nur benutzen wollen, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Meine Entscheidung ist da klar: Niemand soll absolute Macht über mich haben, als nur Gott!
Demut Gott gegenüber heißt, mich ihm unterstellen und seine Macht über mich anerkennen und damit aufrecht und selbstbewusst allen anderen gegenüber dastehen, die irgendwelche Machtansprüche an mich stellen könnten. Und wie wichtig ist das, dass wir Kinder Gottes sind und so ein gesundes Selbstbewusstsein haben dürfen! Denn: „der Teufel geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge!“
So geht es in unserem Text weiter und wir sind damit wieder bei dem Löwen, der in der UN-Vollversammlung gebrüllt hat. Auch hier muss ich einmal ganz schnell eine sprachliche Sache klären: Im griechischen Text steht für das Wort Teufel „Diabolos“. Und wenn man dieses Wort Stück für Stück ins Deutsche übersetzt ist es der „Durcheinanderwerfer“. Der Teufel ist keine Fantasiefigur mit Hörnern und Schwefelgeruch, wie er in früheren Jahrhunderten so gerne vorgestellt wurde. Der Teufel ist der, der die lebenserhaltende Ordnung zerstört, in dem er alles durcheinanderbringt. Und wenn wir uns umsehen, werden wir feststellen: Ganz vieles von dem, was wir einmal als sicher und feststehend geglaubt haben, ist ins Wanken geraten; Menschen sind verunsichert, weil plötzlich einer die Friedensordnung Europas durcheinander bringt und ohne Grund ein Land angreift; weil plötzlich sich ein Regierungschef mit Verordnungen über geltendes Recht hinwegsetzt und die Menschenwürde von nicht weißen Menschen mit Füßen zu treten scheint.
Der Teufel mag aber auch auf ganz andere Weise unser Leben aus dem Gleichgewicht bringen: Wenn Partnerschaften auseinanderbrechen; wenn Krankheiten den eigenen Lebensentwurf zum Einstürzen bringen wie einen Turm aus Bauklötzen, der nur eben angetippt wurde; wenn plötzliche Arbeitslosigkeit einem den wirtschaftlichen Boden unter den Füßen wegzieht.
Dem Diabolos, dem Durcheinanderwerfer, der alles ins Chaos stürzt, sollen wir widerstehen. Wie das geht? Auch dazu schriebt uns der Apostel etwas: Fest im Glauben sollen wir sein. Also: Stark sein sollen wir im Vertrauen auf Gott, widerstandsfähig gegen Anfeindungen, weil wir uns von Gottes Macht getragen und gehalten wissen. „Fest im Glauben“ heißt nicht, dass zeitlich bedingte Lehrsätze des Glaubens einbetoniert gültig sein müssen. Es heißt, dass unser Vertrauen in Gott und seine Fürsorge für uns ein Gegengewicht zu dem Chaos sein müssen, das der Diabolos angerichtet hat und weiter anrichtet.
In unserer Taufe werden wir zu solchen Leuten berufen, die eben so sind: standhaft und gefestigt, dem Bösen gegenüber. Dieses Vertrauen, dieser feste Glauben ist aber nicht einfach so plötzlich da. Wir müssen dieses Vertrauen lernen. Nicht wie Vokabeln oder mathematische Formeln in der Schule. Wir brauchen Menschen, die uns das beibringen, indem sie uns das vorleben, indem sie uns Anteil an ihrem eigenen Vertrauen zu Gott geben. Eltern und Paten, die anderen Glieder der Gemeinde können solche Menschen sein.
Und es heißt auch nicht, dass ein solches Leben, wie es uns der Apostel als so gut anpreist, von ganz allein und einfach so funktioniert. Der Diabolos ist eine reale Kraft, die uns immer wieder in Bedrängnis führen wird. Vielleicht wird sogar ein großer Teil unseres Lebens von diesem Widerstand gegen den Diabolos geprägt sein. Für viele wird es nur ein kleiner Trost sein, wenn sie wissen: Du bist mit deinem Kampf gegen das Chaos nicht allein, vielen von deinen Geschwistern im Glauben geht es ebenso. Aber alleine das Wissen, mit diesem Kampf nicht allein zu sein, wird helfen, den Blick zu weiten und mit der Frage nach dem „Warum ich?“ umgehen zu lernen. Der Apostel erinnert uns: „Du bist mit deinem Kampf nicht alleine; anderen geht es ebenso und diese Gemeinschaft trägt dich mit.“
Und so groß, ja riesig dir deine Aufgabe in deinem Kampf auch scheinen mag, ist sie doch begrenzt. Der Apostel schreibt von einer kleinen Zeit, die diese Bedrängnis dauert. So groß das Leid auch für mich ist, es ist nicht unfassbar, es ist auch handhabbar. Der Grund dafür liegt in der Zusage, in dem Versprechen, das den Adressaten und damit auch uns vom Schreiber des Briefes gesagt ist: Gerade in der Situation der Bedrängnis wird Gott da sein und uns das geben, was wir brauchen: Er wird uns aufrichten, stärken, kräftigen und gründen!
Das ist keine Vertröstung auf ein besseres „nach dieser kleinen Zeit“ des Leides, nach der dann wieder die Sonne scheint. Schon gar keine Vertröstung auf ein jenseitiges Leben. Das ist die Zusage in das Jetzt der Bedrängnis: Gott wird: Aufrichten – Gott holt uns aus der Verkrümmung und lässt uns so wieder frei durchatmen; Stärken und Kräftigen – von Gott kommt die Kraft, wenn unsere Kraft zu Ende ist, wiir werden nicht vergehen; Gründen – denn ohne ein Fundament können Menschen keinen sicheren Stand gewinnen. Mit Jesus Christus ist dieser tragfähige Grund gelegt und wir werden nicht versinken!
Gott wird uns aufrichten, stärken, kräftigen gründen! Das ist die Zusage, auf die hin wir dem Durcheinanderwerfer entgegentreten können; die Zusage, auf die hin wir in der Taufe Menschen im Auftrag Gottes in seine ewige Herrlichkeit berufen, die schon hier und jetzt wirksam wird und im Hier und im Jetzt ihre Macht entfaltet. Darum sei ihm, diesem Gott, die Macht in alle Ewigkeit. Amen!